Nahrungsergänzungsmittel: Warum werden wir trotz Supplement-Boom immer kränker?
Ernährungsmedizinerin Sybille Binder warnt: Das wilde Schlucken von Einzelsubstanzen schadet mehr als es nutzt – und macht Ihren Körper »bequem«
Immer mehr Menschen schlucken täglich fünf, sechs oder noch mehr Supplemente – doch gesünder wird die Gesellschaft nicht. Sybille Binder erklärt, warum Einzelsupplemente ohne Basis gefährlich sind, wie man neue Mängel erzeugt und weshalb Basispräparate entscheidend sind.
Das Wichtigste auf einen Blick
1
Einzelsupplemente erzeugen Ungleichgewichte
Zink, Eisen, Selen – viele nehmen diese Spurenelemente isoliert über Monate. Das Problem: Jede Substanz braucht andere Stoffe, um wirken zu können. Werden negative Wechselwirkungen oder nötige Gegenspieler nicht erkannt lautet Ergebnis: neue Defizite statt Heilung.
2
Supplemente sind thermisch kalt – der Körper braucht Kraft zum Verstoffwechseln
Nahrungsergänzungsmittel sind eine Herausforderung für den Körper. Sie sind »thermisch kalt« und müssen umgewandelt werden. Viele Menschen berichten, dass eine Vitamintablette am Morgen wie ein Stein im Magen liegt. Ohne gute Ernährungsbasis kann der Körper Supplemente nicht optimal nutzen. Ergänzungen greifen nur dann tief, wenn die Basis stimmt.
3
Die Gesellschaft wird nicht gesünder – trotz massiver Supplementierung
Seit 20 Jahren schlucken immer mehr Menschen Nahrungsergänzungsmittel. Trotzdem gibt es mehr Diabetiker, mehr MS, mehr rheumatische Erkrankungen. Der Grund: Einzelsupplemente ohne fundiertes Stoffwechselwissen führen zu biochemischen Ungleichgewichten. Basispräparate, die Vitamine, Mineralien und Spurenelemente kombinieren, bieten hingegen einen sinnvollen Einstieg.
4
Kurweise, nicht dauerhaft – das Immunsystem will kämpfen
Früher nahm man Lebertran im Winter, eine Eisenkur im Frühling, mal Vitamin B – aber phasenweise. Heute nehmen Menschen Zink über Monate, ohne zu testen, ohne Pause. Das Problem: Der Körper gewöhnt sich, das Immunsystem wird bequem. Ein überdüngter Garten verliert seine Kraft. Supplemente sollten kurweise eingesetzt werden – nicht dauerhaft.
Fazit
Blindes Schlucken von Nahrungsergänzungsmitteln ist gefährlich. Einzelsupplemente ohne fundiertes Stoffwechselwissen erzeugen neue Mängel, statt zu heilen. Die Lösung: Basispräparate, die breit aufgestellt sind, kombiniert mit guter Ernährung. Höhere Dosierungen nur unter fachkundiger Begleitung, die Wechselwirkungen berücksichtigt. Hier zählt Qualität: Lassen Sie sich von Fachleuten beraten, die nicht nur verkaufen wollen, sondern auch Ernährung und Stoffwechsel ganzheitlich betrachten.
Ernährungsberaterin BSc. (BFH)
Sybille Binder
Sybille Binder ist Ernährungsberaterin BSc (BFH) und Vitalstofftherapeutin. Nach ihrer Erstausbildung als Köchin absolvierte sie die Ausbildung zur diplomierten Ernährungsberaterin und sammelte mehrere Jahre klinische Erfahrung. Parallel dazu vertiefte sie ihr Wissen durch zahlreiche Aus- und Weiterbildungen in komplementären östlichen und westlichen Ernährungsrichtungen.
Über 20 Jahre leitete sie das Institut für integrative Naturheilkunde (NHK) in Zürich und war in dieser Zeit als Dozentin an verschiedenen Schulen tätig sowie beratend für Firmen und Institutionen im Ernährungsbereich. Heute widmet sie sich wieder vollständig der Ernährungsberatung in eigener Praxis, hält Vorträge und unterrichtet am NHK-Institut.
Sybille Binder ist Initiatorin und Mitautorin des Buches »Integrative TEN-Ernährung« (Bacopa Verlag) und verbindet in ihrer Arbeit fundierte Fachkenntnisse mit einem ganzheitlichen Ansatz. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit ist sie Familienfrau und Mutter von zwei erwachsenen Kindern.
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