TOD, STERBEN & SINN DES LEBENS
»Man stirbt, wie man lebt« – Das »Dazwischen« ist Heimat, Diesseits nur Spielwiese.
Nach 5000 Jahren Unsterblichkeit Sehnsucht nach Ende?
Können wir uns vorstellen, tot zu sein? Die Antwort ist: Nein. Wir können uns nur vorstellen, zu sterben, aber nicht, tot zu sein. Prof. Dr. Hartmut Schröder nimmt uns mit auf eine philosophische Reise zwischen Leben, Sterben und Tod. Er macht deutlich: Der Tod gehört zur Natur, doch wie wir damit umgehen, ist Kultur. Und vielleicht ist diese Begrenztheit des Lebens nicht Fluch, sondern Segen.
Das Wichtigste auf einen Blick
1
Tod ist etwas zwischen Natur und Kultur
Der Tod selbst ist ein natürlicher Vorgang, doch wie wir ihn deuten, was er bedeutet und wie wir damit umgehen, ist kulturell geprägt. In den Kulturwissenschaften gibt es die These, dass die Entstehung von Kultur überhaupt erst mit dem Bewusstsein unserer Sterblichkeit zusammenhängt. Der Tod wurde zum Ausgangspunkt menschlicher Sinnsuche.
2
Unsterblichkeit wäre kein Segen
Wer möchte 100 Jahre alt werden? Wenige. Wer möchte 100 Jahre alt werden bei bester Gesundheit? Fast alle. Doch was, wenn man 500, 1.000 oder 10.000 Jahre leben würde? Nach einer gewissen Zeit würde sich womöglich eine Sehnsucht nach einem Ende, nach einem Wechsel einstellen. Die Begrenztheit des Lebens ist nicht nur sinnvoll – sie ist segensreich. Sie gibt dem Leben Dringlichkeit, Intensität und Bedeutung.
3
Zwischen Tod und Wiedergeburt – das »Dazwischen«:
Wo geht die Seele hin, wenn der Körper stirbt? Was geschieht zwischen Tod und (einer möglichen) Wiedergeburt? Wir wissen es nicht – und vielleicht ist genau das Teil der Schöpfung. Nicht alles muss erklärt, geplant oder optimiert werden. Es dürfen Überraschungen bleiben, Geheimnisse, die wir nicht vollständig durchdringen. Denn diese Ungewissheit lehrt uns Hoffnung und Vertrauen.
4
Optimierung oder Akzeptanz
Wir versuchen oft alles zu optimieren – gesund leben, richtig essen, uns bewegen. Das ist wichtig und richtig. Doch manchmal braucht es einen zweiten Weg: die Fähigkeit, sich vom eigenen Leiden zu distanzieren. In Momenten der Selbstbeobachtung kann sich etwas lösen. Die Schmerzen bleiben vielleicht, aber sie haben nicht mehr die Macht über uns. Das ist keine Resignation – es ist innere Befreiung.
Fazit
Sich mit dem Tod und dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen ist keine morbide Beschäftigung, sondern eine Quelle von Tiefe und Gelassenheit. Wer versteht, dass die Begrenztheit Teil des Lebens ist, kann intensiver leben. Wer sich mit dem Tod versöhnt, findet Frieden mit dem Leben. Und wer loslassen kann – von Kontrolle und Angst und der Illusion der menschlichen Unsterblichkeit – dem öffnet sich ein tieferes Verständnis dessen, was es heißt, Mensch zu sein.
Prof. Dr.
Hartmut Schröder
Prof. Dr. Hartmut Schröder ist emeritierter Professor für Sprachgebrauch und Therapeutische Kommunikation an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt. Er studierte Sozialwissenschaften und Russistik, promovierte 1986 in Linguistik an der Universität Bielefeld und wurde 1994 Professor an der Viadrina.
Schröder war an der Gründung verschiedener Studiengänge und Institute beteiligt, darunter der Masterstudiengang »Kulturwissenschaften und Komplementäre Medizin« und das Steinbeis-Transfer-Institut für Therapeutische Kommunikation und Integrierte Therapie.
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