ÜBERGEWICHT & FETTLEIBIGKEIT: Was wirklich zählt – Sportwissenschaftler klärt auf
Körperfettwaagen sind »fast schon Wahrsagerei«
Übergewicht ist kein neues Phänomen. Menschen mit erhöhtem Körpergewicht gab es bereits vor Jahrtausenden. Prof. Dr. Karl Sudi räumt mit dem Mythos auf, dass Übergewicht automatisch krank macht, und zeigt, warum die Waage als alleiniges Messinstrument versagt.
Das Wichtigste auf einen Blick
1
Übergewicht ist evolutionär verankert
Die Fähigkeit, Körperfett zu speichern, ist seit Jahrtausenden in uns angelegt. Übergewicht bedeutet nicht automatisch Krankheit und Gesundheit lässt sich auch nicht am Gewicht allein ablesen.
2
Die Waage täuscht
Der BMI ignoriert die Körperzusammensetzung völlig und muskulöse Menschen gelten fälschlicherweise als übergewichtig. Der ehrliche Blick in den Spiegel ist oft aussagekräftiger als die Zahl auf der Waage.
3
Der Bauchumfang ist entscheidender
Bei Männern gilt die 95-cm-Grenze als Orientierung. Bei Frauen variiert der Wert je nach Größe und Alter. Professionelle Messungen der Körperzusammensetzung liefern hierbei die genauesten Gesundheitsindikatoren.
4
Altern verändert die Körperzusammensetzung
Der Körperfettanteil steigt im Alter ganz natürlich an. Ab 70–75 Jahren sinkt er wieder. Das ist ein normaler physiologischer Verlauf.
Fazit
Gewicht ist nicht gleich Gesundheit und die Fixierung auf Kilogramm führt meist in die Irre. Entscheidend sind hingegen Bauchumfang und Körperzusammensetzung. Auch nicht jeder Mensch mit höherem Gewicht ist behandlungsbedürftig. Eine differenzierte, individuelle Betrachtung ist daher der Schlüssel zu sinnvollen Gesundheitsempfehlungen.
Prof. Dr.
Karl Sudi
Prof. Dr. Karl Sudi ist österreichischer Sportwissenschaftler, Hochschulmanager und Experte für Bewegungs- und Gesundheitswissenschaften. Er trägt den akademischen Titel Univ.-Prof. Mag. phil. Dr. rer. nat. und studierte Sportwissenschaften, mit anschließender Habilitation im Fach Physiologie/Sportphysiologie.
Er war langjähriger Leiter des Instituts für Sportwissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz und absolvierte Forschungsaufenthalte in den USA, Estland und Deutschland. Aktuell leitet er die Private Universität im Fürstentum Liechtenstein (UFL), eine postgraduale Universität mit Promotionsrecht.
Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen, Gewichtsregulation im Hochleistungssport, Ernährungsverhalten im Leistungs- und Gesundheitssport, psychophysiologische Prozesse sowie Körperzusammensetzung und Stoffwechsel. Mit rund 69 Publikationen und über 1.700 Zitationen zählt er zu den etablierten Stimmen seines Fachgebiets.
Darüber hinaus ist Prof. Dr. Sudi Mitinitiator und wissenschaftlicher Begleiter des Gesundheitsprojekts »Bewegte Steiermark«, das in rund 30 Gemeinden Bewegungsförderung als präventiven Ansatz verankert.
Institut für Bewegungswissenschaften Sport und Gesundheit
Mozartgasse 14/i, AT-8010 Graz
https://bewegungswissenschaften.uni-graz.at/de/
karl.sudi@uni-graz.at
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