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Früh-Demenz durch Multitasking
Warum 30-Jährige bereits Alzheimer-Veränderungen zeigen
Studierende können sich keine 90 Minuten mehr konzentrieren, Kellner vergessen zwei Bestellungen hintereinander, Menschen finden ihr Auto nicht mehr. Prof. Harald Walach warnt vor einer neuen Form der Demenz durch digitale Zerstreuung. Hier erfährst du, was Multitasking mit unserem Gehirn macht und warum Aufmerksamkeit unsere wertvollste Währung ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
1
Multitasking zerstört Gedächtnis
Stanford-Studie zeigt, dass Menschen, die viel Multitasking betreiben, in Kurz- und Langzeitgedächtnis-Tests deutlich schlechter abschneiden als Menschen, die sich auf eine Sache konzentrieren. Computer machen kein echtes Multitasking, sondern schnelles Wechseln, und wir auch, aber mit hohen »Switching Costs«.
2
Acetylcholinerge Fasern degenerieren
Bei Alzheimer-Demenz beginnt die Zerstörung im Nucleus basalis Meynert, und zwar genau dort, wo die laterale Hemmung stattfindet, die Aufmerksamkeit ermöglicht. Ständige digitale Ablenkung stört dieses System dauerhaft und könnte die physiologische Basis für schwindende Konzentrationsfähigkeit sein.
3
Mittelalterliche Gelehrte hatten besseres Gedächtnis
Sie zitierten seitenlange Texte aus dem Gedächtnis (mit kleinen Abweichungen), da Bücher teuer waren und Papier rar. Heute verlieren wir grundlegende menschliche Fähigkeiten durch Outsourcing ans Smartphone: räumliche Orientierung (Navi), Merkfähigkeit, Sortierung von wichtig/unwichtig.
4
Omega-3 als Schutzfaktor
Ein Omega-3-Experte berichtete, dass er noch nie eine Studie gesehen habe, in der Menschen mit hohem Omega-3-Spiegel im Pflegeheim landeten, weder wegen körperlicher Gebrechen noch wegen Demenz. Omega-3 ist essenziell für Neuroplastizität und Gedächtnisbildung.
Fazit
Die »Frühdemenz der Abgelenkten« ist keine offizielle Diagnose, aber ein reales Phänomen. Unsere Kultur der permanenten Zerstreuung vernichtet unsere Aufmerksamkeitsspanne, unser Gedächtnis und unsere Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Gesundheit ist nicht delegierbar und Aufmerksamkeit ist das Eingangstor zu allen anderen Fähigkeiten.
Prof. Dr. Dr.
Harald Walach
Prof. Dr. Dr. Harald Walach ist deutscher klinischer Psychologe, Philosoph und Wissenschaftshistoriker. Er studierte Psychologie und Philosophie an der Universität Freiburg, promovierte 1991 in Klinischer Psychologie (Basel) und 1995 in Philosophie und Wissenschaftsgeschichte (Wien) und habilitierte 1998 an der Universität Freiburg.
Prof. Walach war an verschiedenen Universitäten tätig, darunter Freiburg, Northampton (England), Frankfurt (Oder) und die Medizinische Universität Posen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf komplementärer Medizin und Naturheilkunde, insbesondere auf Homöopathie, Akupunktur und Fernheilung. Er entwickelt Methoden zur wissenschaftlichen Untersuchung komplementärer Verfahren und evaluiert deren Wirksamkeit.
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